Die diesjährige Preisträgerin des Literaturpreises der Europäischen Union ist die tschechische Schriftstellerin Dora Kaprálová. Sie erhielt die Auszeichnung für ihren Roman „Die Mariborhypnose“ (Mariborská hypnóza).
Der Literaturpreis der Europäischen Union (European Union Prize for Literature – EUPL), der vom EU-Programm Kreatives Europa unterstützt wird, wird jährlich an herausragende aufstrebende Autorinnen und Autoren der europäischen Gegenwartsliteratur verliehen.
Ziel des Preises ist es, die Kreativität und die kulturelle Vielfalt der europäischen Belletristik sichtbar zu machen, den grenzüberschreitenden Austausch von Literatur innerhalb Europas zu fördern und das Interesse an literarischen Werken jenseits nationaler Sprach- und Kulturgrenzen zu stärken.
Seit seiner Einführung im Jahr 2009 hat der EUPL insgesamt 216 Autorinnen und Autoren ausgezeichnet. Die Werke der Preisträgerinnen und Preisträger werden international präsentiert und gefördert, um ein breiteres Publikum zu erreichen und Leserinnen und Leser über nationale sowie sprachliche Grenzen hinweg zu begeistern.
Der Preis wird von der Europäische Verlegerverband (FEP) und der Europäischen und Internationalen Buchhändlerföderation (EIBF) organisiert.
Im Jahr 2026 wählte eine siebenköpfige Jury, bestehend aus Literaturfachleuten, die Gewinnerin aus 14 talentierten Schriftstellern und Schriftstellerinnen aus, die ihr Land vertraten. Jedes Land nominierte einen Autor oder eine Autorin über eine nationale Organisation, die sich der Förderung der heimischen Literatur widmet. In diesem Jahr nahmen 14 Länder teil: Armenien, Kroatien, Zypern, Tschechien, Estland, Finnland, Frankreich, Kosovo, Liechtenstein, Luxemburg, Moldawien, Montenegro, Nordmazedonien und Schweden.
Für die Nominierung eines tschechischen Autors oder einer tschechischen Autorin ist das Tschechische Literaturzentrum zuständig, dessen Ziel die kontinuierliche und systematische Förderung der tschechischen Literatur und Buchkultur ist.
Der Roman „Mariborská hypnóza“ handelt von weißer und schwarzer Magie, dem Sinn des Schreibens, dem Leben einer Fliege und einem Hypnotiseur sowie vom Wunder von Maribor.
„Die Fliege ist ein oft übersehenes Lebewesen, mit „der Mariborhypnose" wollte ich ihr meine Ehrerbietung erweisen“, erklärte Dora Kaprálová.
Dora Kaprálová (*1975, Brünn) ist eine tschechische Schriftstellerin, Publizistin und Dokumentarfilmerin, die in Berlin lebt. Sie studierte Dramaturgie und Drehbuchschreiben an der Theaterfakultät der Janáček-Akademie der musischen Künste. Während ihres Studiums verfasste sie Kritiken und Rezensionen für die Monatszeitschrift „Host“ und wurde nach Abschluss ihres Studiums Redakteurin der Rubrik „Kunst und Kritik“ bei der Brünner Tageszeitung MF DNES. Für ihre Reportagen in Zeitschriften und ihre Radiodokumentationen wurde sie mehrfach für den tschechisch-deutschen Journalistenpreis nominiert.
Ihr Prosa-Debüt veröffentlichte sie 2014 unter dem Titel „Das Winterbuch der Liebe" (Zimní kniha o lásce). Im Jahr 2022 erschien ihr erstes Kinderbuch „Herr Niemand und die weiße Fernsternis" (Pan Nikdo a bíla tma), das für den Jahrespreis „Zlatá stuha“ nominiert wurde. Zu ihren Werken gehören außerdem „Berliner Notizbuch" (Berlínský zápisník), „Inseln“ (Ostrovy) und „Leiden und andere Genres" (Utrpení a jiné žánry).
Der Roman „Die Mariborhypnose“ wurde bereits mit einem Preis ausgezeichnet, nämlich dem Magnesia-Litera-Preis für das Buch des Jahres 2026.