Wie erreicht die tschechische Kultur heute das österreichische Publikum? | Ondřej Černý im Interview für den ORF

23. 9. 2026
Wie erreicht die tschechische Kultur heute das österreichische Publikum? | Ondřej Černý im Interview für den ORF

Das Tschechische Zentrum Wien blickt auf mehr als zwei Jahre unter der Leitung von Ondřej Černý zurück. In einem Interview für ORF Volksgruppen im Rahmen der Sendung Rádio Dráťák reflektierte unser Direktor darüber, wie sich die Arbeitsweise des Zentrums nach dreißig Jahren verändert hat und auf welche Weise die tschechische Kultur ihren Weg zum österreichischen Publikum findet.

Als das Tschechische Zentrum Wien nach drei Jahrzehnten die bekannte Adresse in der Herrengasse verließ, stand für viele ein großes Fragezeichen im Raum: Wie lässt sich tschechische Kultur ohne eigene Ausstellungsräume und feste Bühne weiter präsentieren?

Heute, nach mehr als zwei Jahren in dieser neuen Etappe unter der Leitung von Ondřej Černý, ist die Antwort klar: Die Zukunft der Kulturdiplomatie liegt in lebendigen Partnerschaften, nicht in vier Wänden.

Genau über diesen Wandel, aber auch darüber, was das österreichische Publikum an der tschechischen Kunst heute am meisten interessiert, sprach unser Direktor im Interview für die Sendung Rádio Dráťák des ORF.

Warum setzen wir auf ein Partnernetzwerk?

Statt das Publikum ausschließlich in „unser Haus“ einzuladen, sind wir direkt in den österreichischen öffentlichen Raum getreten. Unsere Veranstaltungen finden heute an prestigeträchtigen Orten statt – von der Ausstellung Unbekanntes Böhmen im ikonischen Ringturm bis hin zu einem außergewöhnlichen Konzert eines Kinderchors in der monumentalen Karlskirche.

Dieses Modell bietet einen enormen Vorteil: Tschechischer Film, Literatur, Musik und Fotografie erreichen durch Kooperationen mit lokalen Veranstaltern direkt das österreichische Publikum, das ein traditionelles nationales Kulturinstitut vielleicht nie besucht hätte. Und was wesentlich ist: Wir beschränken uns nicht nur auf Wien, sondern sind in allen Bundesländern aktiv.

Die Landsleute als Brückenbauer

Unsere Arbeit wäre ohne Menschen nicht denkbar. Die Wiener tschechische Community stellt eine unverzichtbare, lebendige Brücke zwischen beiden Kulturen dar. Uns verbindet nicht nur das zeitgenössische Kunstschaffen, sondern auch die tief verwurzelte tschechisch-österreichische Geschichte, die in Wien an jeder Ecke spürbar ist.

Hören Sie das gesamte Interview von Pavla Rašnerová hier.

  • PhDr. Ondřej Černý

Er studierte Bibliothekswesen und wissenschaftliche Information an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität. Seine berufliche Laufbahn begann er in der Dokumentation des Theaterinstituts (Divadelní ústav) und war anschließend als Redakteur der Zeitschrift Svět a divadlo tätig. Von 1996 bis 2007 leitete er das Theaterinstitut, arbeitete als Dramaturg des Prager Theaterfestivals deutscher Sprache sowie als Herausgeber. Im Jahr 2007 übernahm er die Leitung des Nationaltheaters in Prag, das er bis 2012 führte. Ab 2014 war er Direktor des Tschechischen Zentrums München und leitet seit mehr als zwei Jahren das Tschechische Zentrum Wien.

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