KATEŘINA ŠEDÁ: Willkommen! | Permanente Installation Hainfeld

6. 9. 2021
© Kateřina Šedá

Das Pflege- und Betreuungszentrum Hainfeld hat in der gerade fertiggestellten Gartenanlage eine kleine neue Gemeinde erhalten. 20 ungewöhnliche Miniaturen von real existierenden Wohnhäusern der Bewohner*innen des Zentrums sind zukünftig eine Bereicherung auf vielen Ebenen. Sie sind Orte der Erinnerung, spielerische Triebfeder für Dialog und Austausch gleichermaßen für alle dort lebenden und arbeitenden Menschen wie für Besucher*innen. Sie sind aber aber auch Futter- und Nistplätze für eine ganze Reihe heimischer Vogelarten, die den Garten beleben werden.

KATEŘINA ŠEDÁ, 1977 geboren ist eine tschechische Künstlerin, deren Werk der sozialen Architektur nahe steht. Von 1999 bis 2005 studierte sie an der Akademie der bildenden Künste in Prag.

Sie hat zahlreiche Projekte mit einem sozialen Fokus sowohl in Tschechien als auch  international realisiert, zum Beispiel für das LIAF, Norwegen (2019), das IHME, Helsinki (2016), das SF Moma, San Francisco (2013–2014), die Tate Modern, London (2011) und vielen andere. Sie stellte unter anderem auf der 16. Biennale für Architektur in Venedig (2018), der Echigo-Tsumari Art Triennale 2015 in Japan, im Kunstmuseum Luzern (2012), dem Mori Museum in Tokio (2010) und auf der Documenta 12 in Kassel (2007) aus.

Mit dem Projekt Herzlich Willkommen! für das Pflege- und Betreuungszentrum Hainfeld knüpft die tschechische Künstlerin Katerina Šedá an zentrale Aspekte ihrer künstlerischen Praxis an: Ihr Fokus liegt meist auf sozial konzipierten Ereignissen, in die sie oft Menschen mit geringem Bezug zur Kunst einbindet. Der Zweck des Experimentierens mit zwischen-menschlichen Beziehungen besteht darin, die Beteiligten aus ihren Stereotypen oder ihrem sozialen Alltag herauszuholen und eine im Idealfall dauerhafte Veränderung herbeizuführen.

 Šedás großflächige Installation in Hainfeld basiert auf dem zentralen, nie gänzlich lösbaren Konflikt für alte Menschen von ihrem Zuhause in Betreuungseinrichtungen umzuziehen. Für die notwendig gewordene Pflege müssen sie ihr gewohntes Umfeld, umgeben von Familie und Freunden, verlassen; den Platz, der über Jahrzehnte ihr Lebensmittelpunkt war und voller Erinnerungen steckt. Am neuen Ort sind die Menschen fremd und die Räume ohne die vertrauten Gerüche oder Spuren, die die eigene Geschichte erzählen. Die wenigen mitgebrachten Gegenstände und Möbel vermögen nur begrenzt über den Verlust des Zuhauses hinwegzuhelfen.

Die Künstlerin hat diesen komplexen Gedanken aufgegriffen und versucht, diese Fehlstelle durch die Erinnerungsarbeit mit rund 20 Bewohnerinnen und Bewohnern, unterstützt von deren Familien, auf eine ganz besondere visuelle Weise zu überbrücken. Keine Bilder, sondern gebaute Miniaturen, die die ehemaligen Wohnhäuser an diesen neuen Ort bringen, waren das Resultat von vielen Gesprächen und auch Besuchen an den ehemaligen Wohnorten. Die Ergebnisse sind liebevoll gestaltete, kleinteilige Nachbauten aus verschiedenen Materialien mit vielen Details, die den Menschen wichtig waren und die teilweise in Zusammenhang mit Geschichten und Erzählungen stehen.

 Die nun im Garten des Pflege- und Betreuungsheims neu entstandene Gemeinde (mit der Hainfelder Kirche im Zentrum) ist eine Collage aus den vielen Orten, aus denen die involvierten Bewohner*innen stammen. So liefert die kleine Siedlung für alle dort lebenden Menschen und Besucher*innen einen spielerischen Anlass für Gespräche über das, was sie zurückgelassen haben und halten so die Erinnerungen möglichst lange lebendig. 

Mit Leben gefüllt werden die Miniaturhäuser aber noch aus einem anderen Grund: Sie werden tatsächlich als Wohnorte dienen. Zu diesem Zwecke hat die Künstlerin mit einem Ornithologen zusammenarbeitet, um zu gewährleisten, dass die Häuser auch als Nist- und Futterplätze für unterschiedliche Vogelarten geeignet sind.

 Die Künstlerin zu ihrem Projekt:„Meine Absicht war es, die Seniorinnen und Senioren nicht nur symbolisch in ihr Zuhause zurückkehren zu lassen, sondern sie gleichzeitig zu aktivieren – und das sowohl bei der Realisierung des Projekts als auch mit der Installation, die sie aktiv besuchen können. Grundlegend war für mich, dass sie zu Co-Autor*innen der einzelnen Häuser wurden und sich ihre Erinnerungen darin widerspiegeln konnten. Auch wenn es ein langer und schwieriger Prozess war, so brachte er eine Reihe von wichtigen Anregungen, die das Projekt sehr bereichert haben.“ Die Direktorin des Pflege- und Betreuungszentrums Hainfeld, Gabriela Galeta zu Herzlich Willkommen!:„Der neu gestaltete Garten soll ein Ort sein, welcher Erholung ermöglicht, Entspannung gibt und als Raum für die Bewegung in der Natur dient. Das von Frau Katerina Šedá vorgestellte Projekt „Herzlich Willkommen“, hat schon bei der Präsentation all diese Komponenten vereint. Die Idee, unsere Bewohner*innen bei der Gestaltung der Vogelhäuser einzubeziehen und so Erinnerungen an ihr Zuhause zuzulassen, fand bei uns großen Gefallen.“

NÖ Pflege- und Betreuungszentrum Hainfeld, Bräuhausgasse 13a, 3170 Hainfeld

Besichtigung nur nach Vereinbarung:

T +43 2764 7553,

pbz.hainfeld@noebetreuungszentrum.at

www.pbz-hainfeld.at

www.katerinaseda.cz

Mit freundlicher Unterstützung durch das Tschechischen Zentrum Wien.

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