Heute erinnern wir uns an den 110. Geburtstag des bedeutenden tschechischen Künstlers Jiří Trnka, der auch als „Walt Disney des Ostens“ genannt wird.
Der international anerkannte Illustrator, Marionettenschöpfer, Regisseur und Drehbuchautor sowohl der Zeichentrick- als auch der Puppentrickfilme, Maler, Graphiker und Bildhauer Jiří Trnka wurde am 24. Februar 1912 in Pilsen geboren und seit seiner Jugend zeigte er sein vielseitiges künstlerisches Talent. Bereits während seiner Studien an der Akademie für Kunst, Architektur und Design in Prag bereicherte er mit seinen Illustrationen die tschechischen Literaturzeitschriften Večer, Pestrý týden oder Mladý hlasatel, überdies arbeitete er mit dem Puppentheater Spejbl und Hurvínek in Pilsen zusammen, für das er die Figur Hurvínek schuf, und später war er als Kostüm- und Bühnenbildner für das tschechische Nationaltheater in Prag tätig.
1946 veröffentlichte Trnka in der Produktion des Filmstudios Bratři v triku, das er mitbegründete, den erfolgreichen Film Zvířátka a Petrovští (zu dt. Kleine Tiere und Briganten), für den er den Hauptpreis an den Internationalen Filmfestspielen von Cannes erwarb. 1948 drehte er seinen ersten, auf dem gleichnamigen Buch von H. Ch. Andersen basierenden Puppenspielfilm Císařův slavík (zu dt. Der Kaiser und die Nachtigall) und zwei Jahre später verfilmte er das Märchen Bajaja. Für die beiden Filme erlangte er den Nationalpreis. In den 60. Jahren entschloss sich Trnka, auf die aktuelle politische Situation mit seinem zeitlosen Film Kybernetická babička (zu dt. Die kybernetische Großmutter) zu reagieren, in dem er auf das totalitäre Regime allegorisch eingeht. Obwohl der Film an den Filmfestspielen in Annecy gewürdigt wurde, stoß er auf die kommunistische Zensur in der damaligen Tschechoslowakei.
Jiří Trnka verband eine langjährige Freundschaft mit Jan Werich, dessen Zeichentrickfilm Fimfárum (zu dt. Fimfarum) Trnka illustrierte und für dessen Film Císařův Pekař (zu dt. Der Kaiser und sein Bäcker) er Kostüme entwarf. Jan Werich verlieh dagegen seine Stimme dem Puppentrickfilm von Trnka, Der brave Soldat Schwejk. Dieser, wie auch weitere Trnkas Filme (Staré pověsti české, zu dt. Böhmens alte Sagen, oder Sen noci svatojánské, zu dt. Sommernachtstraum), machten den tschechoslowakischen Puppentrickfilm weltweit bekannt und gewannen prestigeträchtige Preise an den internationalen Filmfestspielen.
Neben dem Film widmete sich Trnka auch Buchillustrationen. In seinem Leben bereicherte er mit seinen Zeichnungen und Bildern Hunderte von Kinderbüchern, wie Míša Kulička (J. Menzel, zu d.t. Mischa Kugelrund), Broučci (J. Karafiát, zu dt. Die Käferchen) oder Špalíček veršů a pohádek (F. Hrubín). 1968 wurde ihm für sein Schaffen im Bereich der Kinderbuchillustrationen der international berühmte Hans-Christian-Andersen-Preis verliehen.
Der in vielerlei Hinsicht geniale und preisgekrönte Künstler Jiří Trnka verstarb nach einer langen Krankheit am 30. 12. 1969 in Prag im Alter von nur 57 Jahren. Sein kulturelles Erbe überdauerte jedoch bis heute.
Die Bibliothek des Tschechischen Zentrums in Wien bietet die detaillierte Biografie Jiří Trnka von Vlastimil Tetiva (auf Tschechisch) und das Gedichtband Was einmal Liebe war von J. Seifert (deutsche Übersetzung), das Trnka illustrierte, zum Verleih an.