Radka Denemerková, die einzige tschechische Schriftstellerin, die vier Mal den tschechischen Prestigepreis Magnesia Litera erwarb, wurde vom österreichischen Bundesland Steiermark mit dem Literaturpreis des Landes Steiermark 2022 für ihre anerkennungswürdige literarische Leistung geehrt.
Der Preis wird von der Landesregierung alle zwei Jahre an Autor*innen mit Steiermarkbezug vergeben. Denemarková selbst war vom 1. September 2017 bis 31. August 2018 Grazer Stadtschreiberin. Die Expertenjury begründete ihren einstimmigen Beschluss folgendermaßen:
„Radka Denemarková schreibt aus dem Eigenen heraus, ohne ihr Selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Persönliche Erfahrungen, Erlebnisse und Haltungen nutzt die dezidiert politische Schriftstellerin, um den Blick auf fremde Welten zu lenken, gesellschaftlich Relevantes darzustellen, Anklage zu erheben. Kompromisslosigkeit geht dabei mit den Umständen stets aufs Neue prüfender Reflexion einher: eine Verbindung, die sowohl in sprachlicher Brillanz als auch inhaltlicher Tiefe zutage tritt.“
Ihren neuesten ins Deutsche übersetzten Roman Stunden aus Blei stellte sie im Februar dieses Jahres in der Österreichischen Gesellschaft für Literatur in Wien vor. Das Buch erschien 2018 unter dem Originaltitel Hodiny z olova im Brünner Host-Verlag und wurde heuer im Jänner im Hoffmann&Campe-Verlag in deutscher Ausgabe (übersetzt von Eva Profousová) publiziert. Denemarková beschreibt in diesem umfangreichem Buch das Schicksal mehrerer europäischer Familien, deren Reise nach China und die Bemühung, ihr Leben besser zu gestalten alle miteinander verbindet. Ihre Welt bricht jedoch wieder zusammen. Ebenfalls verändern sich die Schicksale von uns allen. Die alte Welt des Europas endet. Niemand weiß, was der neue Tag bringt. Die Autorin deutet in ihrem Roman auf die Verhältnisse in China hin, geht zurück in die Zeit der Normalisierung und des Holocausts.