Heute gratulieren wir dem tschechischen Maler, Kostümbildner, Szenografen und ehemaligen Autorennfahrer Theodor Pištěk zu seinem 90. Geburtstag. Sein vielfältiges Talent hat ihm zu viel Ruhm verholfen und ihn nicht nur in Tschechien, sondern auch international bekannt gemacht. Neben einem Oscar für sein kostümbildnerisches Schaffen im Film „Amadeus“ und einer Verdienstmedaille erster Klasse, die ihm vom ehemaligen Präsidenten Václav Havel überreicht wurde, erhielt er für seine Leistungen viele weitere Auszeichnungen. Die Liebe zur Kunst zieht sich durch Pištěks ganze Familie, weshalb wir heute einen Blick auf sein spannendes Leben werfen wollen.
Theodor Pištěk wurde am 25. Oktober 1932 in eine Schauspielerfamilie geboren. Seine Eltern waren die tschechische Schauspielerin Marie (Máňa) Ženíšková und der gleichnamige Theater- und Filmdarsteller Theodor Pištěk, der in österreichischen, deutschen und tschechischen Filmen wie beispielsweise dem Klassiker „Die Prinzessin mit dem goldenen Stern“ (tschech.: „Princezna se zlatou hvězdou“) zu sehen ist. Während also Pištěks Liebe zum Film von seinen Eltern herrührt, verdankt er seine Begeisterung für die Kunst und das Rennfahren seinen Großvätern, unter denen ein begnadeter Maler und der Gründer und ehemalige Besitzer der Ford Motor Company in Österreich-Ungarn war.
Bereits mit 16 Jahren lernte er Auto zu fahren und nahm bald darauf an verschiedensten Rennen teil. In den 60er Jahren war er offizieller Rennfahrer und schaffte es sogar in die Europameisterschaft. Bis zum Jahr 1974 folgte er aktiv dieser Leidenschaft und brachte seine Erfahrung danach beispielsweise im Film „Rallye“ ein, für den er gemeinsam mit dem Regisseur František Vláčil das Drehbuch schrieb.
Nach seiner Karriere als Rennfahrer beschäftigte er sich ab dem Jahr 1975 intensiver mit der Malerei. Obwohl er an der Akademie der Bildenden Künste in Prag studiert und bis zu diesem Zeitpunkt schon viele Gemälde angefertigt hatte, entstanden während dieser Zeit seine bedeutendsten Werke. Sein Stil wurde dem Fotorealismus zugeordnet, wobei er sich an den amerikanischen Hyperrealismus mit Künstlern wie Richard Estes, sowie an die aus dem Realismus entsprungene europäische Malerei mit Vertretern wie Jacques Monory, Gerhard Richter oder Gottfried Helnwein anlehnte. Besonders für Pištěks Malerei war die verborgene Geschichte hinter dem Bild, welche nur durch das Lesen zwischen den Zeilen erkannt werden konnte. Dieser Symbolismus konnte sich auf Themen sowohl philosophischer als auch gesellschaftlicher Natur beziehen.
Sein künstlerisches Schaffen äußerte er aber nicht nur in Gemälden, sondern auch als Kostümbildner in verschiedenen Filmen. Als solcher arbeitete er beispielsweise für František Vláčil im Jahre 1967 und half bei der Umsetzung der Filme „Marketa Lazarová“ und „Údolí včel“. Auch an der Ausstellung im tschechoslowakischen Pavillon der Expo 1967 in Montréal unter dem Titel „Der Mensch und seine Welt“ war er maßgeblich beteiligt. Seinen absoluten Durchbruch als Kostümbildner feierte Theodor Pištěk allerdings in den 80er Jahren als er begann mit dem Filmregisseur Miloš Forman zusammenzuarbeiten und die Kostüme für dessen Filme zu entwerfen. Einer davon war die kinematographisch umgesetzte Biografie des österreichischen Komponisten „Amadeus“ (1984), welche insgesamt acht Oscars erhielt, von denen einer an Theodor Pištěk für Bestes Kostümdesign ging. Auch für die Mitschaffung an dem auf einem französischen Roman basierten Drama „Valmont“ (1989) wurde Pištěk für verschiedene Preise nominiert und erhielt von der Académie des Arts et Techniques du Cinéma den César in der Kategorie Beste Kostüme. Mit seiner Kunst wurde er international bekannt, wodurch seine Werke und Kostümdesigns weltweit in verschiedenen Galerien ausgestellt wurden. Im Jahr 1987 konnte man sie beispielsweise in New York, Indianapolis und Sydney bestaunen.
Nach dieser Zeit war er wieder vorwiegend in der Tschechoslowakei tätig und fungierte ab dem Jahr 1990 als Vorsitzender des künstlerischen Rates der Prager Burg. Im Rahmen dieser Arbeit entwarf er u. a. eine neue Uniform für die Burgwache (tschech.: Hradní stráž), welche bis heute das Prestige der Burg widerspiegelt. Im selben Jahr hat er zusammen mit Václav Havel und Jiří Kolář den Jindřich Chalupecký Preis ins Leben gerufen, welcher jährlich an junge Künstler*innen und Künstler verliehen wird. Zehn Jahre darauf wurde ihm für seine herausragenden künstlerischen Leistungen vom bereits erwähnten Václav Havel, nun Präsident der Tschechischen Republik, die Verdienstmedaille erster Klasse verliehen. In den darauffolgenden Jahren wurde er mit weiteren Preisen wie dem Böhmischen Löwen (tschech.: Český lev) oder dem Kristallglobus (tschech.: Křišťálový globus) ausgezeichnet.
Das künstlerische Talent endet allerdings nicht bei ihm, sondern setzt sich auch in seiner eigenen Familie fort. Mit seiner bereits verstorbenen Frau Věra Filipová, welche Filmregieassistentin war, hat er zwei Söhne Martin und Jan, von denen letzterer in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist und nun ebenfalls ein bekannter Maler und Szenograf ist. Heute genießt Theodor Pištěk ein ruhiges Leben im kleinen Mukařov in der Nähe von Prag mit seiner Dackelhündin Ája.