In der malerischen Burg Pernštejn im tschechischen Landesteil Mähren wurde kürzlich ein spektakuläres Stück Geschichte aufgespürt: die bisher älteste bekannte Ansicht der Stadt Steyr, datiert auf das Jahr 1548. Dieses bemerkenswerte Tafelbild, auf welchem 23 Personen vor einer Stadtvedute zu sehen sind und das gleichzeitig einen detailreichen Blick auf die frühneuzeitliche Stadt Steyr bietet, ist ein wahres historisches Juwel.
Anhand der Analyse der Vedute, der Identifikation der im unteren Abschnitt wiedergegeben Wappen und der angeführten Jahreszahl 1548 kann man heute eindeutig sagen, dass es sich um ein Familienbild handelt, das der Steyrer Bürger Coloman Dorninger von sich, seiner damals bereits verschiedenen Gattin Martha Trodl, seiner zweiten Frau Anna Oefferl sowie von seinen 20 Kindern anfertigen ließ. Die genaue Betrachtung der Stadtansicht offenbart bemerkenswerte Details wie die Pfarrkirche Hl. Ägidius und Koloman, die Styraburg (heutiges Schloss Lamberg), die zweifelsfrei auf die Stadt Steyr mit umschließender Berglandschaft hindeuten.
Nun stellt sich die Frage, wie dieses Tafelbild nach Mähren kam. Die Burg Pernštejn war einst der Sitz des gleichnamigen Adelsgeschlechts, das im 16. Jahrhundert zu den reichsten böhmischen Geschlechtern zählte. Doch 1596 musste die Burg veräußert werden und ihre Besitzer wurden danach mehrmals gewechselt. Im Burg-Inventar von 1863 findet man den ältesten Beweis für die Existenz des Tafelbildes. Wie dieses Bild auf die Burg gekommen ist, hängt wahrscheinlich mit der steyrischen Handelsfamilie Schröffl zusammen, die ab 1793 im Besitz des Anwesens war: Sie pflegte familiäre Beziehungen zur ebenfalls aus Steyr stammenden Familie Mann, welche wiederrum mit den Dorningern verschwägert war.
Trotz vieler Unbekannten, die mit diesem Fund verbunden sind, wie beispielsweise die Frage nach seinem Autor, liefert das Gemälde auch jetzt schon einen wichtigen Impuls für weitere historische Forschungen – insbesondere zur Stadtgeschichte und zu einstigen Bewohner:innen.
Weitere Informationen finden Sie im Amtsblatt der Stadt Steyr (Seite 16).