Schon als kleines Mädchen zog es sie zur Kunst, und obwohl sie selbst keine künstlerische Karriere angeschlagen hat und stattdessen Wirtschaft studierte, hat sie trotzdem zum Aufstieg der modernen tschechischen Architektur beigetragen. Grete Tugendhat ist die Auftraggeberin des bedeutendsten funktionalistischen Familienhauses in Europa – der Villa Tugendhat. Grete war eine sehr gebildete und moderne Frau.
In der Jugend inspirierten sie die damaligen Hauptstädte der Moderne, Wien und Berlin, für revolutionäre und kühne Entscheidungen. 1928 ist sie in ihre Heimatstadt Brno zurückgekehrt. Grete hat selbst den Visionär Mies van der Rohe als den Architekten für ihr neues Zuhause angesprochen. Ihr Haus sollte grundsätzlich in keiner Weise ähnlich zu der benachbarten Sezessionsvilla Löw-Beer, wo sie aufgewachsen ist, sein. Vila Tugendhat sollte aufgeklärte Gedanken der Freiheit und Größe des menschlichen Geistes widerspiegeln. Der Ehemann Fritz wehrte sich modernen Ideen auch nicht, die laische und auch damalige professionelle Öffentlichkeit war hingegen von der Villa nicht besonders begeistert, sondern kritisierte ihre „Kälte“ und unüblichen Luxus, während die Mehrheit der Bevölkerung von der Weltwirtschaftskrise betroffen war.Grete sorgte sich sehr um die sich verschlechternde Situation in Deutschland und seit 1933 engagierte sie sich aktiv in der Menschenrechtsliga. In diesen Jahren versuchte sie, politischen Flüchtlingen aus Deutschland zu helfen, am Ende traf sie mit ihrer Familie aber das gleiche Schicksal, und kurz vor der Ausrufung des Protektorats in 1938 mussten sie aus dem Land fliehen. In der Villa Tugendhat verbrachte Grete nur 8 Jahre. Wegen ihrer jüdischen Herkunft und den strengen Regulationen in der Era Roosevelts konnte die Familie nicht in die USA auswandern, wie sie ursprünglich geplant haben, stattdessen flohen sie zuerst in die Schweiz und dann nach Venezuela. Ihr ehemaliges Zuhause hat Grete noch mehrmals besucht dank des Einsatzes des Architekten Františka Kalivoda für die Rettung der Villa nach Jahren im Verfall. Die kurze Lockerung der Verhältnisse in der sozialistischen Tschechoslowakei während der Regierung von Alexander Dubček ermöglichte Grete diese Besuche, und noch im Jahr 1969 knapp vor der „Normalisierung“ hielt sie einen umfangreichen Vortrag über Villa Tugendhat auf der internationalen Konferenz in Brno. Sie starb bei einem Autounfall im schweizerischen St. Gallen am 10. Dezember 1970.