Dagmar Šimková

24. 2. 2021
(c) Barbora Biskupová

„Das schöne Mädchen aus der Villa am Fluss“ – so nannte man eine der tschechischen Heldinnen, Dagmar Šimková, eine politische Gefangene, die in den 50er-Jahren verhaftet wurde, und Autorin des Buches „Byly jsme tam taky“ („Wir waren auch dort“). Im Gefängnis verbrachte sie ganze 14 Jahre. Mehr über die Geschichte dieser Heldin, die gegen das kommunistische Staatsregime gekämpft hat, erfahren Sie im Artikel.

Dagmar Šimková

(*23. 5. 1929, Písek – † 24. 2. 1995, Perth, Australien)

  • „Ich, Nummer 1211, stehe gemeinsam mit weiteren tausenden Frauen, die auch in Nummern verwandelt wurden. Mit verlorener Vergangenheit, die jetzt so entfernt ist wie der Mond und die Geräusche hinter der Wand, als ob es sie nicht gäbe. Die Erinnerung an das vergangene Leben weht heran wie ein Windstoß und vergeht, wird zermalmt und löst sich auf wie das Dröhnen eines Schnellzugs, der irgendwohin eilt, wohin ich ihm nicht folgen kann.“

Eben haben Sie einen Abschnitt aus dem Werk „Byly jsme tam taky“ („Wir waren auch dort“) gelesen, aus der Feder von der Autorin Dagmar Šimková, die manchmal „das schöne Mädchen aus der Villa am Fluss“ genannt wird. Im Buch beschreibt sie ihre Erinnerungen an ihr Leben in Gefangenschaft. Diese Frau wurde 14 Jahre lang vom kommunistischen Staatsregime gefangen gehalten.

(Die Quelle zur Fotografie ist am Ende des Artikels angegeben)

Dagmar Šimková

Sie wuchs in der südböhmischen Stadt Písek auf, wo ihr Vater, der als Bankier arbeitete, eine Familienvilla bauen ließ. Sie besuchte das örtliche Gymnasium und später wollte sie an der Prager philosophischen Fakultät studieren, was ihr allerdings wegen ihrer „bürgerlichen Herkunft“ nicht ermöglicht wurde. Ihre ältere Schwester Marta floh im Jahr 1950 über die Grenzen nach Australien.

Die Villa, die der Bankier Jaroslav Šimek, Vater von Dagmar, bauen ließ.

(Die Quelle zur Fotografie ist am Ende des Artikels angegeben)

Zdroj: Wikipedia, Autor: Michal Louč – Vlastní dílo, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81462906

Dagmar schrieb und vervielfältigte staatsfeindliche Flugblätter und half auch beim Verstecken zweier Freunde, die vom Wehrdienst geflohen waren und in den Westen gelangen wollten.Als sie 23 Jahre alt war wurde sie von der StB (Staatssicherheit) verhaftet. Später wurde auch ihre Mutter verhaftet und das Familienvermögen wurde beschlagnahmt. Dagmar kam erst im Jahr 1966 aus dem Gefängnis, also im Alter von 37 Jahren.Zwei Jahre später nahm sie an der Gründung der Organisation K 231 teil, die die politischen Gefangenen des kommunistischen Regimes vereinigte. Noch in demselben Jahr emigrierte sie aber mit ihrer Mutter zu ihrer Schwester nach Australien, wo Dagmar an zwei Hochschulen studierte, als Therapeutin im Gefängnis arbeitete, mit Amnesty International zusammenarbeitete und Ausstellungen ihrer bildenden Werke veranstaltete. Außerdem verfasste sie in Australien auch das bereits genannte Werk „Byly jsme tam taky“ („Wir waren auch dort“). Die Familienvilla in Písek, wo sie nach dem Jahr 1989 ein paar Mal war, hat sie in einem verwüsteten Zustand wiedergefunden.

Heute erinnert die Fußgängerbrücke, die in Písek über den Fluss Otava spannt und die ihr zu Ehren benannt wurde, an das Leben und den Mut von Dagmar Šimková.

Die Dagmar Šimková Fußgängerbrücke, die sich in Písek über den Fluß Otava spannt

(Die Quelle der Fotografie ist am Ende des Artikels angegeben)

Zdroj: Wikipedia, Autor: Michal Louč – Vlastní dílo, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81462332

Quellen:

(Der Text-Abschnitt am Angang des Artikels ist aus dem Buch von Dagmar Šimková "Byly jsme tam taky")

Buchumschlag, Quelle: https://www.databazeknih.cz/obalka-knihy/byly-jsme-tam-taky-45978

Fotografie der Villa, Quelle: Wikipedia, Autor: Michal Louč – Vlastní dílo, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81...

Fotografie der Fußgängerbrücke, Quelle: Wikipedia, Autor: Michal Louč – Vlastní dílo, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81...

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