Marie Schmolková

27. 3. 2021
© Adéla Ťopková

Der Mensch, der anderen hilft, nicht auf sein eigenes Risiko achtet und manchmal auch sein eigenes Leben in Gefahr bringt: Held(in). Diese Charakteristiken sind auffällig nah an einer der weiteren bedeutenden tschechischen Frauen, Marie Schmolková.

Man schreibt das Jahr 1933 und in Deutschland ist Adolf Hitler an die Macht gelangt. Die nazistischen Tendenzen im Land erstarken und viele Bewohner mit jüdischer Herkunft, oder Menschen, die mit dieser Ideologie nicht sympathisieren, flüchten in die Tschechoslowakei, die Ihnen Asyl gewährt. Die Koordination der Transporte wird von Marie Schmolková organisiert, die Sozialarbeiterin und Zionistin, die die Flüchtlinge selbst besucht, sammelt die nötigen Informationen, schreibt Aufforderungen an ausländische Diplomaten und nimmt an den Verhandlungen im Ausland teil.

Nach dem Anschluss von Österreich wird aber klar, dass die tschechoslowakische Hilfe nicht ausreichend wird und so bündelt diese energische Frau ihre Kräfte mit Nicolas Winton und anderen Partnern, mit denen sie die Kindertransporte aus der Tschechoslowakei mitorganisiert. Es gelingt ihnen, die Transporte von 669 hauptsächlich jüdischen Kindern abzufertigen. Sie retten sie vor einem unglücklichen Schicksal. Kurz nach dem Einmarsch der Nazis in der Tschechoslowakei wird sie aber von der Gestapo verhaftet und nur dank der Hilfe ihrer einflussreichen Freunde wird diese Kämpferin um Menschenrechte aus dem Gefängnis freigelassen.

Kurz danach fängt aber ihre Gesundheit an zu sinken und sie stirbt in London an Herzstillstand. "Diese Frau kennt jeden Menschen persönlich, der in der letzten fünf Jahren die Grenzen überquert hat. Sie kennt deren Schicksale, sie kennt deren Gefahr. Überschwemmt von all diesen Schicksalen, als ob es ihr eigenes nicht gäbe. Sie bewegt sich ständig zwischen dem Leben und Tod, zwischen den Behörden von London, Paris und Prag. Sie sieht fast die gleiche Hoffnungslosigkeit und nach der großen Mühe gelingt ihr nur, sich ein bisschen von der Hoffnung zu bewahren: aber sie ist seltsamerweise so ruhig, wie es gläubige Menschen sind." So beschreibt die damalige tschechische Journalistin Milena Jesenská Marie Schmolková.

Bis heute erinnert man sich an Marie Schmolková im Zusammenhang mit den Kindertransporten sehr wenig. Das Ereignis wird hauptsächlich mit ihrem damaligen Kollegen Nicolas Winton verbunden. Die Historiker des Holocausts arbeiten aber daran, die Erinnerung von Marie Schmolková zu bewahren und bemühen sich seit dem Jahre 2018 um den Aufbau eines Denkmals in Prag und London. Sie haben nicht vergessen und auch wir werden sie nicht vergessen.

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