Eifrig, neugierig, eigensinnig und kompromisslos – diese Eigenschaften beschreiben „die erste Dame des tschechischen Films“ am besten: Regisseurin und Szenaristin Věra Chytilová, die eine der Schlüsselpersönlichkeiten der sogenannten „tschechoslowakischen neuen Welle“, einer Generation von RegisseurInnen der 60er Jahre darstellte.
Sie erschien vor der Kamera zum ersten Mal in einer kleinen Rolle im Film „Der Kaiser und sein Bäcker“, wo sie die Arbeit am Film als solche äußerst beeindruckte. Zur Arbeit hinter der Kamera gelangte sie dank ihrer Tätigkeit in den Barrandov-Studios, wo sie sich bis zur Regieassistenten hocharbeitete.
„Eiserne Lady der tschechischen Kinematografie“
Sie wurde auch berühmt für ihre experimentellen Drehtechniken. Ihrer Meinung nach konnte nur psychischer Druck eine spontane Reaktion hervorrufen, die beste Leistung einer Schauspielers. Um die authentischsten Ausdrücke zu erfassen war ihre Taktik den Schauspieler zu verunsichern oder zu verärgern.
Ihre Werke sind vom Stil des cinéma-verité beeinflusst, vor allem vom dokumentarischen und philosophischen Strom. In ihren Filmen sparte sie nicht an Originalität und Metaphern, die klar und kritisch die damaligen sozialistischen Verhältnisse angriffen. Beispielsweise erzählt der Film Gänseblümchen (1966) von zwei Mädchen, die sich entschieden haben, dass sie verderbt werden, weil die Welt um sie herum auch verdorben ist. Die Regisseurin wusste genau, was sie mit ihren Filmen den Zuschauern sagen wollte. Dank dessen feierte sie nicht nur bei Einheimischen, sondern auch bei ausländischen Zuschauern einen großen Erfolg.
„Also so nicht! Ich will Kunst machen, keine Geschäfte!“
Durch die Popularität ihrer Filme kamen neue Arbeitsmöglichkeiten. Die amerikanische Filmfirma Warner Bros. bot Věra Chytilová eine Kooperation und finanzielle Unterstützung für die Schaffung eines weiteren ihrer Filme an, aber die Regisseurin lehnte das Angebot ab. Es war unvorstellbar für sie, sich diesem großen Unternehmen auszuverkaufen. Sie war nicht nur auf das große Geld aus, ihr Ziel war es, den Zuschauern eine reale Ansicht auf die Welt und Gesellschaft zu bieten.
Die Zeit, in der sie an der Prager FAMU (Film- und Fernsehfakultät der Akademie der darstellenden Künste) zu studieren begann, war eher unauffälligen und sich anpassenden Menschen zugeneigt als starken Talenten, wie sie es war. Trotz Uneinigkeit mit der Leitung der Fakultät, die wegen ihrer Unverblümtheit über ihren Ausschluss nachdachten, schloss sie ihr Studium mit ihrer Abschlussarbeit, dem Film Plafond (1961), erfolgreich ab.
Die berühmten Filme von Věra Chytilová:
Sedmikrásky (1966)
Hra o jablko (1976)
Šašek a královna (1987)
Kopytem sem, kopytem tam (1988)
Dědictví aneb Kurvahošigutntag (1992)