Angehende Übersetzer*innen bis 40 Jahre bekamen auch dieses Jahr die Möglichkeit, am internationalen Susanna-Roth-Übersetzungswettbewerb teilzunehmen. Die Aufgabe war, eine ausgewählte Passage im Umfang von 15 Normseiten aus dem Buch <i>Uranova</i> (Argo Verlag, 2020) von Lenka Elbe ins Deutsche zu übersetzen. Eine dreiköpfige Jury zusammengesetzt aus Julia Miesenböck, Ondřej Cikán und Michal Polak wählte den Gewinnertext aus sieben Übersetzungen aus.
Tatatataaa… Mit großer Freude geben wir bekannt, dass die Gewinnerin der österreichischen Runde des diesjährigen Susanna-Roth-Übersetzungswettbewerbs Miriam Aistleitner heißt. Wir gratulieren der Gewinnerin und bedanken uns herzlich bei allen teilnehmenden Übersetzer*innen für ihre Zeit und Mühe, die sie in die Übersetzung investiert haben.
Miriam Aistleitner: Ich bin unweit der tschechischen Grenze aufgewachsen und hatte das Glück, am Gymnasium Tschechisch lernen zu können. Bis heute fasziniert mich das Tschechische mit seiner komplexen Grammatik und seinem schönen Klang. Einen tschechischen Text zu übersetzen, bedeutet für mich, fremdes Terrain zu erkunden. Das beginnt mit dem intensiven, wiederholten Lesen des Originals, um sich in die Geschichte und ihre Figuren einzufühlen. Letztere sollen eine Stimme in der Zielsprache bekommen; gleichzeitig gilt es, Stil und Rhythmus des Originals einzufangen. Den Auszug aus Lenka Elbes Roman Uranova zu übersetzen, war für mich eine ausgezeichnete Möglichkeit, meine Fertigkeiten als Übersetzerin zeigen und vertiefen zu können. Es ist ein anspruchsvoller Text, in dem sich witzige Dialoge und Situationskomik mit tiefen Emotionen abwechseln und sich persönliche Traumata mit den kollektiven verschränken; die Figuren sprechen Standard- sowie Umgangssprache und nicht zuletzt auch in gebrochenem Tschechisch – eine besondere Herausforderung!
Jurymitglieder:
Julia Miesenböck ist Bohemistin und Übersetzerin. Sie studierte Komparatistik und Slawistik an der Universität Wien und wirkte danach als Deutschlektorin im Ausland. Zurzeit lebt sie in Prag, unterrichtet Deutsch als Fremdsprache und übersetzt aus dem Tschechischen ins Deutsche (u. a. Marek Toman – Der Prager Golem, Jiří Hájíček – Dann blühen die Gräser) sowie aus dem Englischen ins Deutsche.
Ondřej Cikán ist ein auf Tschechisch und Deutsch schreibender Autor, Filmregisseur, Verleger und Übersetzer. Seit 1991 lebt er in Wien. 2018 gründete er zusammen mit Anatol Vitouch den Verlag Kētos, der vor allem „Übersetzungen des Unübersetzbaren“, aber auch ursprünglich tschechische Werke herausgibt. Ins Deutsche übersetzte er z. B. die Werke Mai von Mácha, Der blutige Roman von Váchal, Gedichte von J. H. Krchovský und Zuzana Lazarová oder den Roman Valerie und die Woche der Wunder von Vítězslav Nezval.
Michal Polak ist Generalsekretär der Österreichisch-Tschechischen Gesellschaft, die für die Teilnehmer*innen der österreichischen Wettbewerbsrunde ein interessantes Programm in Wien plant.
Der internationale Susanna-Roth-Übersetzungswettbewerb wird von den Tschechischen Zentren und dem Tschechischen Literaturzentrum, einem Teil der Mährischen Landesbibliothek in Brno ausgeschrieben. 2021 fand bereits der siebte Jahrgang des Wettbewerbs statt, der für ausländische angehende Übersetzer*innen und Bohemist*innen bis 40 Jahre bestimmt ist.