Aufzeichnung: Artist Talk mit Karin Maria Pfeifer

17. 2. 2022

Welche Bedeutung verbirgt sich hinter den Titeln der Objekte "Sample of no commercial value" und "Sweet Fanny Adams" der Künstlerin Karin Marie Pfeifer, die im Rahmen der Ausstellung Heiho zu sehen sind? Wie sehen die anderen Arbeiten dieser bemerkenswerten Künstlerin aus, die sich mit Malerei, Video und Rauminstallationen beschäftigt? All das und noch viel mehr erfahren Sie gleich aus der Aufzeichnung des Artist Talks mit Karin Maria Pfeifer, einer Künstlerin, die seit über zwanzig Jahren in der österreichischen Szene aktiv ist.

Karin Maria Pfeifers künstlerische Handschrift besteht in der strukturellen Analyse der Wechselverhältnisse von Räumen und darin enthaltenen Objekten. Einer der zentralen Punkt ist etwa das Bestreben, oft die gelernten Kausalzusammenhänge immer wieder aufzulösen, neu zu ordnen und durch ästhetische Verdichtungen, Überlagerungen oder Kontrastierungen in eine neue Wahrnehmungsweise zu überführen. Die Künstlerin lenkt dabei den Blick auf einzelne Aspekte der gezeigten Wirklichkeit, gleichsam einem Zoom eines Kameraobjektives und eröffnet so neue Blickwinkel.

Dahinter steht auch immer die Idee, dass physische Räume in Interaktion mit psychischen Spielräumen stehen, sich Räume und Orte als emotionaler Ankerplatz manifestieren, als Lebensraum, an dem Assoziationen und Erinnerungen an vergangene Zeiten festgemacht werden können. Ändert sich dieser Lebensraum, in welcher Form auch immer - etwa wenn ein geliebter Mensch verloren geht oder wenn Kommunikationspraktiken in Social Media Kanälen alte Muster durchbrechen - dann fehlt etwas Wesentliches und damit ändert sich auch die Raumwahrnehmung. Dieser objektive Faktor schlägt sich in einem neuen subjektiven Empfinden nieder.

Es geht dabei auch um die Grenzen dieser Räume, gleich ob etwa psychisch, emotional oder wirtschaftlich und deren Überschreitung. Grenzen können schützen oder einengen. In beiden Fällen ist der Spielraum dazwischen erst durch begrenzende  points-of-no-return definiert. Ohne Begrenzung sind sie unendliche, nicht erfahrbare Neutrums. So wie Sein und  Erleben erst durch die Endlichkeit eines Raumes entstehen. Um das zu erfahren müssen jedoch paradoxerweise auch Grenzen überschritten werden. Klarerweise können dann surreale Szenerien entstehen, deren Bezugspunkte scheinbar verrückt sind und Werke, die mit einer Irritation der Wahrnehmung, einer Verkehrung der Zusammenhänge spielen.

Es mag zwar oberflächlich irritieren, wenn sich Pfeifers künstlerische Statements manchmal in verschiedenen Ausdrucksweisen manifestieren. Doch der Künstlerin geht es nicht so sehr um die äußerlich-ästhetischen Kongruenz ihrer Arbeiten. Es geht um eine gemeinsame inhaltliche Klammer und eine gemeinsame Herangehensweise im  künstlerischen Blick auf das Alltägliche. Das lässt den/die Betrachter/in jedesmal selbstverständliche, gegebene Zusammenhänge in Frage stellen und versucht so den Mehrwert, den künstlerische Rezeptionsversprechen vorgeben, auch einzuhalten.

  Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Tschechischen Zentrum Wien, dem Bundesministerium für Kunst, Kultur, Öffentliche Dienste und Sport, dem Ersten Wiener Gemeindebezirk - Innere Stadt, der Stadt Wien Kultur, der Österreichisch-Tschechischen Gesellschaft, dem Institut für die Wissenschaften vom Menschen und der Österreichischen Hochschülerschaft der Universität Wien.  

Weitere Nachrichten