430. Geburtstag des „Lehrers der Nationen“ Johann Amos Comenius

28. 3. 2022
© Soňa Juríková

Heute erinnern wir uns an den 430. Geburtstag einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der tschechischen Geschichte, Johann Amos Comenius. Der einflussreiche Philosoph der Barockepoche, Pädagoge und letzte Bischof der Böhmischen Brüder wurde am 28. März 1592 an einem bis heute unbekannten Ort im Südosten Mährens geboren. Comenius gilt als Gründer der modernen Pädagogik.

Comenius wurde mit dem Familiennamen Szeges geboren, da sein Großvater aus Ungarn stammte. Den Nachnamen Comenius nahm er nach seinem Vater als Pseudonym nach dem Dorf Komňa in der Region Uherský Brod (Ungarisch-Brod) an, aus dem seine Eltern stammten. Seit seiner Kindheit wurde Comenius von Gewalt und Tod begleitet. Sein Vater, ein prominentes Mitglied der protestantischen Brüderunität (Böhmische Brüder), starb an der Pest, als Johann nur 12 Jahre alt war. Kurz darauf erlagen auch seine Mutter und zwei Schwestern dieser Krankheit. Seine Tante kümmerte sich danach um ihn in der Stadt Strážnice, doch er musste die Stadt im folgenden Jahr verlassen, als die Rebellenarmee von Štěpán Bočkaj die Stadt niederbrannte.

Den biblischen Namen Amos nahm Comenius während seiner Priesterausbildung nach dem Abschluss an der Lateinschule in Přerov an. Nach seiner Rückkehr aus  Deutschland und den Niederlanden, wo er seine Universitätsstudien abschloss, wurde er Priester und ließ sich 1616 in der Stadt Fulnek an der Grenze zwischen Mähren und Schlesien nieder, wo er an der örtlichen Bruderschaftsschule unterrichtete. Hier heiratete er auch zum ersten Mal.

Die Pest und der Krieg kehrten jedoch bald in Comenius' Leben zurück. 1618 fiel eine Gruppe protestantischer Adliger in die Prager Burg ein, um gegen die Verstöße der Habsburgerherrschaft gegen Rudolfs Majestät, der den tschechischen Protestanten viele Freiheiten versprach, zu protestieren. Es kam zu einem Gefecht, bei dem zwei Vertreter der Monarchie und ihr Schreiber aus den Fenstern geworfen wurden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der sogenannte Ständeaufstand zum verheerenden Dreißigjährigen Krieg. Nach der Niederlage der böhmischen Stände in der Schlacht am Weißen Berg im Jahr 1620 wurden die Protestanten schwer verfolgt und gegen Comenius wurde ein Haftbefehl ausgestellt. Er floh vor dem Krieg und dem Gefängnis und versteckte sich an verschiedenen Orten in Mähren. Während der Pestepidemie 1622 starben dann seine erste Frau und zwei Kinder. In dieser Zeit tiefer Trauer begann er sein berühmtestes Werk Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens zu schreiben.

Im Jahr 1627 stellte der Kaiser Ferdinand II. Habsburg, ermutigt nach Siegen im Dreißigjährigen Krieg, den tschechischen Protestanten ein Ultimatum – entweder ihr Eigentum zu verkaufen und das Land zu verlassen oder zum katholischen Glauben überzutreten. In diesem Jahr gehen die Geschichte von Johann Amos Comenius und die Geschichte Tschechiens auseinander. Comenius wanderte zunächst nach Leszno in Polen aus, wo er begann sich mehr der Pädagogik zu widmen und 1632 Bischof der Böhmischen Brüder wurde. Revolutionär war damals seine Philosophie des Lernens „Schule als Spiel“, die er unter anderem in seinen Werken Orbis Pictus und Die geöffnete Sprachentür angewendet hat.

Später zog er auch nach Schweden, nach England, in die Niederlande und nach Ungarn, wo er die lokalen Bildungssysteme reformierte und Bücher veröffentlichte. Er wurde allmählich zu einer bedeutenden Persönlichkeit, die die bedeutsamsten Politiker seiner Zeit zugunsten der tschechischen Protestanten beeinflusste. Ein glückliches Ende des Krieges erlebte Johann Amos Comenius jedoch nicht. Nach der Unterzeichnung des Westfälischen Friedens 1648 verlor er seine Hoffnungen auf eine Rückkehr in die Heimat. Comenius starb 1670 im Alter von 78 Jahren in Amsterdam.

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