200. Geburtstag von Gregor Johann Mendel und das Mendel-Festival 2022

12. 7. 2022
200. Geburtstag von Gregor Johann Mendel und das Mendel-Festival 2022

Wir alle kennen ihn als den Begründer der Genetik und den Entdecker der grundlegenden Gesetze der Vererbung. Warum aber widmete sich der Priester, und später Abt, Gregor Johann Mendel dem Studium der Biologie?

Gregor Johann Mendel, geboren am 20. Juli 1822, stammte aus dem tschechischen Dorf Hynčice (Heinzendorf) in der mährisch-schlesischen Region. Er wurde in eine Bauernfamilie hineingeboren, deren Hof 1966 als Kulturdenkmal erklärt wurde. Zusammen mit seinem Vater pflegte er die Obstbäume im Familiengarten und interessierte sich schon als Kind für die Pflanzengenetik. Obwohl er sein Studium an der Philosophischen Fakultät der Palacký-Universität in Olmütz aus Geldmangel nicht abschließen konnte, gab er seine Ausbildung nicht auf und wendete seine Aufmerksamkeit dem Studium der Theologie zu. Sein Eintritt in das Augustinerkloster St. Thomas in Brünn brachte G. J. Mendel neue Möglichkeiten für Bildung und wissenschaftliche Forschung. Nach seiner Priesterweihe ergriff er die Gelegenheit, Naturwissenschaften an der Universität Wien zu studieren, wo er zwar an der Habilitation scheiterte, was aber für seine späteren Experimente mit Pflanzen entscheidend war, da er hier die Methodik des wissenschaftlichen Arbeitens wie Planung und statistische Auswertung von Experimenten erlernte.

Ab 1856 begann G. J. Mendel, sich ganz der Kreuzungs- und Vererbungsforschung bei Gartenerbsen zu widmen. Als Versuchslabor diente ihm der Garten des Klosters in Brünn, in dem noch heute einige von Mendels Pflanzen wachsen. Zwei Jahre lang wählte Mendel geeignete Erbsensorten für seine Versuche aus und arbeitete mit mehr als 28.000 Pflanzen, um herauszufinden, was passiert, wenn Pflanzen mit unterschiedlichen Eigenschaften gekreuzt werden. Er führte Begriffe ein, die auch heute noch in der Genetik verwendet werden (Dominanz und Rezessivität), und stellte drei Regeln für die Vererbung auf (Mendelsche Vererbungsgesetze). Die Ergebnisse seiner Forschungen stießen jedoch in der wissenschaftlichen Gemeinschaft nicht auf die gewünschte Resonanz. Mendels Beiträge zur Biologie und Genetik wurden erst 1900 anerkannt, als sie von anderen Wissenschaftlern bestätigt wurden. Erst dann wurde er zum Vater der Genetik erklärt.

1867 wurde Mendel zum Abt des Augustinerklosters in Brünn gewählt und wurde damit zu einer wichtigen Persönlichkeit in Mähren in der damaligen österreichisch-ungarischen Monarchie. Er gründete die Meteorologische Gesellschaft und machte täglich meteorologische Beobachtungen für das Meteorologische Institut in Wien. Er wurde auch Vizepräsident der Naturhistorischen Gesellschaft in Brünn, widmete sich der Bienenzucht und 1870 wurde ihm von Kaiser Franz Joseph das Komturkreuz des Heiligen Franz-Joseph-Ordens verliehen. Im Frühjahr 1883 wurde G. J. Mendel schwer krank und starb am 6. Jänner 1884. Er wurde in der Augustinergruft auf dem Brünner Zentralfriedhof beigesetzt. An Leben und Werk von G. J. Mendel erinnert heute das Mendel-Museum der Masaryk-Universität in den Räumen der alten Brünner Abtei. 

Anlässlich dieses Jubiläums findet vom 17. bis 24. Juli in Brünn das Mendel-Festival 2022 unter der Schirmherrschaft der UNESCO-Kommission mit einem sehr umfangreichen Programm statt. Das Festival wird mit einer feierlichen Messe in der Klosterbasilika der Augustiner Abtei eröffnet, am Mittwochvormittag beginnt die internationale Genetik-Konferenz, am Wochenende folgt eine Reihe von Konzerten, wissenschaftlichen Diskussionen, kommentierten Ausstellungen usw. Das ausführliche Festivalprogramm, die Teilnahmemöglichkeiten und die Möglichkeiten der Online-Verfolgung finden Sie HIER.

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