Karol Sidon feiert seinen 80. Geburtstag

9. 8. 2022
© Libor Fojtík

Karol Sidon, auch Ephraim ben Alexander, ist ein bekannter tschechischer Rabbiner, Drehbuchautor, Schriftsteller und Dramatiker. In diesem Jahr feiert er ein bedeutendes Jubiläum, seinen 80. Geburtstag.

Karol Sidon wurde am 9. August 1942 in Prag in eine sog. Mischehe geboren, dem jüdischen Vater Alexander Sidon und der christlichen Mutter Jana Honzíková. Sein Vater wurde im Jahr 1944 von der Gestapo verhaftet und im gleichen Jahr ermordet. Seine Mutter hat ihn alleine erzogen, bevor sie im Jahr 1948 Josef Gross geheiratet hat. Sidon erinnert sich auf diesen Zeitraum: „Ich wusste nicht, welchen Vater sich auszuwählen. Ich wollte den wirklichen Vater nicht enttäuschen, den ich aber nicht kennte. Deshalb bin ich oftmals aus dem Heim weggelaufen.“ (Karol Sidon; in Drda, Adam: „Buď budete psát pro nás, nebo nebudete psát vůbec“)

Sidon hat viermal geheiratet und hat vier Kinder, zwei Töchter und zwei Söhne. In seinen autobiographischen Büchern, Sen o mém otci (1968) und Sen o mně (1970) widmet sich gerade den Familienverhältnissen. Sein erster Roman Sen o mém otci (1968) ist gleichzeitig der bekannteste und seit seiner Ausgabe ist er zum Kultroman geworden. Dieses Werk wurde ins Deutsche, mit dem Titel, Traum von meinem Vater, in 2019 übersetzt.

An der Filmfakultät FAMU in Prag hat während 1960 – 1964 Drehbuch und Dramaturgie studiert. Danach hat er im Tschechoslowakischen Rundfunk und bis 1968 als Dramaturg im Jiří Trnka Studio gearbeitet, er führte Regie in Hörspiel- und Theaterstücken und hat sich an den Filmen von Juraj Jakubisko beteiligt. In demselben Jahr war er als Redakteur in der Zeitung Literární listy tätig. Nach dem Unterschreiben von Charta 77 wurde er aus der Arbeit entlassen und musste als Heizer und Trafikant arbeiten. Zudem verfolgte ihn die Geheimpolizei StB. Aus diesem Grund begann er über eine Emigration nachzudenken. Seine Literaturwerke hat er heimlich im Samizdat herausgegeben. In den 70er Jahren begann er Hebräisch zu lernen und bei der Konversion zum Judentum im Jahr 1978 nahm er den Namen Ephraim an. Im Jahr 1983 emigrierte er nach Westdeutschland, wo er auf der Universität in Heidelberg während der Jahre 1984 – 1990 Judaistik studierte. Weitere zwei Jahre besuchte er die Rabbinerseminare in Jerusalem. Danach kehrte er im Jahr 1992 nach Prag zurück, wo er als Landesoberrabbiner und Oberrabbiner von Prag tätig war. 

Er leistete auch einen wichtigen Beitrag zum Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde in Prag. Als Schriftsteller schreibt er Prosa, Theaterstücke und hat sogar ein Kinderbuch geschrieben. An der Übersetzung der Tora hat er 14 Jahre gearbeitet. Interessant ist, dass es sich erst um die zweite Übersetzung ins Tschechische handelt und dass es zweisprachig geschrieben wurde, und zwar auf Hebräisch und Tschechisch. Während der Jahre 2014 – 2017 hat er eine Sci-Fi Tetralogie „Kde lišky dávají dobrou noc“ ( zu dt.: „Wo sich die Füchse gute Nacht sagen“herausgegeben. Sie umfasst nahezu 2000 Seiten und Sidon hat sie unter dem Pseudonym Chaim Cigan geschrieben. Im Jahr 2019 bekam er den Tschechischen Staatspreis für Literatur. 

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