120 Jahre seit der Geburt von Toyen

21. 9. 2022
120 Jahre seit der Geburt von Toyen

Heute erinnern wir uns an den 120. Geburtstag einer den bedeutendsten und weltbekanntesten tschechischen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, die das Pseudonym Toyen verwendete. Über ihre Jugend ist nur wenig bekannt, doch nach ihrem Abschluss an der Kunstgewerbeschule im Jahr 1922 wurde sie allmählich ein fester Bestandteil der künstlerischen Avantgarde. Toyen war eine Malerin, Zeichnerin, Illustratorin und gehörte zur surrealistischen Bewegung, die auch im Ausland wirkte.

Toyen wurde als Marie Čermínová am 21. September 1902 in Prag-Smíchov geboren. Noch bevor sie die Volljährigkeit erreichte, verließ sie ihre Familie und zog ins Stadtviertel Žižkov um, wo sie in einer Seifenfabrik arbeitete. Zwischen 1919 und 1922 besuchte sie die Prager Kunstgewerbeschule. Dort studierte sie Dekorative Malerei, jedoch ohne die Schule abzuschließen.

Gleich nachdem sie das Studium verließ, nahm sie das professionelle Pseudonym Toyen an. Den Namen Toyen erfand für sie angeblich der tschechische Dichter, Journalist und Übersetzer Jaroslav Seifer (1901-1986).. Mit dem neuen Pseudonym wand sie sich von ihrer Familie, der ehemaligen Arbeit in der Seifenfabrik und des eigenen Geschlechts ab. Der Name Toyen wird vom französischen Wort „citoyen“ abgeleitet und bedeutet „Bürger“. Es handelt sich um einen geschlechtsneutralen Namen und Toyen kleidete sich auch wie ein Mann, sprach von sich selbst in der männlichen Form und interessierte sich für Frauen.

In den 1920er Jahren schloss sie eine lebenslange Freundschaft mit dem Maler Jindřich Štýrský (1899-1942), den sie auf der kroatischen Insel Korčula kennenlernte. Gemeinsam zogen sie für fast zehn Jahre nach Paris, wo sie arbeiteten und ausstellten. Später, gehörten die beiden auch zu den Gründungsmitgliedern der Surrealistengruppe in der Tschechoslowakei. Sie entwickelten auch zusammen das Kunstkonzept Artifizialismus, das einen Maler mit einem Dichter und ein Bild mit einem Gedicht verglich. Beide inspirierten und unterstützten sich gegenseitig. 1942 traf Toyen ein schwerer Schicksalsschlag– Štýrský starb an einem angeborenen Herzfehler. Toyen, am Boden zerstört durch den Tod ihres Freundes, malte ein Bild mit dem Titel Trauriger Tag. Danach versteckte sie in ihrer Prager Wohnung den jüdischen Künstler und Dichter Jindřich Heisler (1914–1953) und rettete ihm so das Leben. Während dieser Zeit schuf sie die Serie Versteck dich, Krieg.

Nach dem Krieg stellte Toyen wieder in Prag, zum Beispiel in Haus Topic, aus und war Mitglied des S.V.U. Mánes. 1947 zog sie dennoch zusammen mit Heisler zurück nach Paris, der dort 1953 verstarb. Toyen pflegte Kontakte mit anderen Künstlern, wie zum Beispiel André Breton oder Ferdinand Peroutka. Bis zum Ende ihres Lebens wohnte sie in Paris, wo sie sich der Illustration, Malerei und Ausstellungen widmete. Sie reiste entlang der französischen Küste oder nach Griechenland. Die Kunstwerke von ihr und Štýrský wurden in der ganzen Welt ausgestellt, zum Beispiel in Schweden, aber auch in der Tschechoslowakei. Toyen starb aber am 9. November 1980 in Paris.

Heutzutage gilt Toyen als eine den wertvollsten Malerinnen. 2021 erschien sie mit fünf ihrer Werke auf der Liste der zehn teuersten Werke, die auf tschechischen Auktionen verkauft wurden, und zwar als einzige Frau (Zirkus für 79,56 Mio. CZK, Serenade für 49,005 Mio. CZK, Nächtliche Feier für 36,48 Mio. CZK, Jahrmarkt für 30,24 Mio. CZK und La Respirations du Sommeil (der Originalname) für 18,15 Mio. CZK).

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