Miroslav Tyrš wurde am 17. September 1832 in Děčín, Tschechien, als Friedrich Emmanuel Tirsch geboren. Er widmete sich der Philosophie und Kunstgeschichte und unterrichtete an der Universität, vor allem war er der Mitbegründer des Sportvereins Sokol. Er wird auch als Autor der tschechischen Sportterminologie bezeichnet.
Sein Vater MUDr. Jan Vincenc Tirsch war Arzt. Die Familie blieb in Děčín nur für vier Jahre, bevor der Vater im Jahr 1836 an Tuberkulose erkrankte und sie dann zu Verwandten nach Döbling bei Wien umzogen. Der Vater erholte sich nicht von seiner Krankheit und so zog die Mutter zusammen mit Miroslav zu Verwandten nach Kropáčova Vrutice, wo sie im Jahr 1838 verstarb. In einem sehr jungen Alter sind auch seine beiden Schwestern gestorben. Da es ihm selbst nicht so gut ging, begann er auf Anraten des Arztes Sport zu treiben. Seit seinem sechsten Geburtstag wurde er von seinem Onkel Antonín Kirschbaum erzogen, zu dem er 1841 nach Prag zog.
In seiner Jugendzeit begann er sich in Richtung Geisteswissenschaften zu orientieren und so schrieb er sich am Akademischen Gymnasium Štěpánská in Prag ein. Nach dem Abschluss studierte er Jura an der Karlsuniversität. Das Studium entsprach nicht seinen Vorstellungen und deshalb wechselte er auf die Philosophische Fakultät, um Philosophie und Ästhetik zu studieren. Nachdem er das Studium im Jahr 1855 beendete, wurde er zum Erzieher der Söhne des Fabrikanten Eduard Barthelmus. Im Jahr 1860 wurde er zum Doktor der Philosophie ernannt. Anfangs wollte er sich vor allem der Philosophie widmen, aber nachfolgend begann er sich auch für bildende Kunst zu interessieren. Damit er seine Kenntnisse vertiefen konnte, nahm er an verschiedenen Studienreisen nach Frankreich, Deutschland und England teil.
Zusammen mit Jindřich Fügner gründeten sie im Jahr 1862 den Sportverein Sokol, was Tyrš berühmt machte. Gleich von Anfang an verzeichneten sie ein großes Interesse und so wurde jeden Tag Sport ausgeübt, außer sonntags, vor allem Gymnastik, aber auch Schwimmen oder Fechten. Außerdem wurden auch verschiedene Veranstaltungen und Wanderungen organisiert, z. B. im April 1862 auf den Berg Říp. Auf seine Anregung hin wurde im Jahr 1882 das erste Sokol-Treffen organisiert. Tyrš wurde durch das altgriechische Ideal der Kalokagathia inspiriert, wonach eine gute körperliche Verfassung zu einer guten geistigen Entwicklung beiträgt. Bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs feierte der Sokol Erfolge, danach wurde der Verein im Jahr 1915 verboten. Dasselbe geschah auch während des Zweiten Weltkrieges, als viele Mitglieder getötet oder inhaftiert wurden. Sokol wurde wieder nach der Samtenen Revolution im Jahr 1990 erneuert. Der tschechische Sportverein Sokol verbessert und erweitert ständig sein Sportangebot, wobei zurzeit rund 60 Sportarten angeboten werden und fördert die Bewegung aller Altersklassen. Sokol-Treffen finden alle sechs Jahre statt.
Nach dem Tod von Jindřich Fügner, verliebte sich Tyrš in dessen Tochter Renáta, die er schon früher unterrichtet hatte. Sie heirateten im Jahr 1872. Im Jahr 1880 erhielt er den Titel eines außerordentlichen Professors für Kunstgeschichte an der Tschechischen Technischen Universität (ČVUT). Er lehrte dann auch an der Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität.
Tyrš starb am 8. August 1884 in Ötz in den Tiroler Alpen, wo er in der Ötztaler Ache ertrank. Er ist auf dem Olšany-Friedhof in Prag begraben.