Im internationalen Susanna-Roth-Übersetzungswettbewerb 2025 konnten sich Nachwuchsübersetzer:innen mit ihrer Übertragung eines Auszugs aus Kristina Hamplovás Buch "Lover / Fighter" beteiligen, dem literarischen Debüt dieser jungen tschechischen Autorin. Nun steht die Gewinnerin fest.
Eine gemeinsame Fachjury für die deutschsprachigen Länder bewertete die acht eingegangenen Texte (zwei aus Österreich und sechs aus Deutschland), die der Jury in anonymisierter Form vorlagen. Die Übersetzerin Martina Lisa (D), der Autor und Übersetzer Michael Stavarič (AT) und der Bohemist Georg Escher (CH) entschieden, dass die beste Übersetzung in diesem Jahr von Karolina Heidinger aus Österreich angefertigt wurde.
Im Urteil der Jury heißt es:
„Nach sorgfältiger Sichtung und intensiver Diskussion aller Wettbewerbseinreichungen einigte sich die Jury schließlich einstimmig auf die Übersetzung von Karolina Heidinger, deren Text- und Spracharbeit überzeugte. Die Übersetzerin zeigt darin ihr feines Gespür für den Sound und Rhythmus des Ausgangstextes, der mit seinem durchkomponierten rotzig-frechen Stil und einem hohem Anteil an Mündlichkeit eine besondere Herausforderung für jede/n Übersetzer:in darstellt.
Um dem Original gerecht werden zu können, sind definitiv kreative und mutige Lösungen gefragt, die seinen eigenwilligen Duktus und literarischen Zauber (etwa in der Metaphorik) zu bewahren vermögen. Karolina Heidinger gelingt es dabei, einen schlüssigen Stil zu entwickeln, sodass ein kohärenter, eigenwilliger und in sich stimmiger deutscher Text entsteht, der sich zwar durchaus vom Original abhebt, ohne dieses jedoch aus den Augen (und dem Sinn) zu verlieren.
Trotz kleiner Ungenauigkeiten und einigen sprachlichen Umwegen beweist Karolina Heidinger ihre stilistische Souveränität, ihr feines und ausgeprägtes Gespür für den Ausgangstext, für seine diversen Sprechpositionen und -absichten, und bietet viele gelungene Lösungen an. In ihrem Vorstellungs- und Einfühlungsvermögen, dem sprachlichen Geschick und der damit verbundenen konsequenten Haltung sieht die Jury viel Potenzial und eine wunderbare Grundlage fürs literarische Übersetzen.“
Der übersetzte Ausschnitt erscheint im Herbst 2025 in der Zeitschrift Manuskripte.
Karolina Heidinger wurde in eine slowakische Familie in Wien geboren, wo sie während ihrer Schulzeit an der J. A. Komenský-Grundschule auch eine Beziehung zur tschechischen Sprache aufbaute. So bewegte sich ihr Leben schon früh über Sprach-, Länder- und Identitätsgrenzen hinweg. Anschließend studierte sie Japanologie, Slawistik und Translationswissenschaft. Nach verschiedenen Aufenthalten in Frankreich, Luxemburg, Japan und der Slowakei kehrte sie nach Wien zurück und übersetzt vor allem technische Texte. Dabei fasziniert sie das Übersetzen im weiteren Sinne – zwischen verschiedenen Kulturen, zwischen Wissenschaft und Laien, zwischen unterschiedlichen Weltverständnissen.
Wir gratulieren der Gewinnerin und bedanken uns bei allen teilnehmenden Übersetzer:innen für die Zeit und Mühe, die sie in die Übertragung des Textes investiert haben.
Der Wettbewerb wird von den Tschechischen Zentren in Zusammenarbeit mit dem Tschechischen Literaturzentrum, einem Teil der Mährischen Landesbibliothek in Brno, organisiert.