Leistung und Leidenschaft | Rückblick auf die EUNIC Literaturtage 2026

28. 4. 2026
Leistung und Leidenschaft | Rückblick auf die EUNIC Literaturtage 2026

Vom 20. bis 25. April 2026 fanden bereits zum fünften Mal die vom europäischen Netzwerk nationaler Kulturinstitute und Botschaften EUNIC Austria organisierten EUNIC Literaturtage statt. Inspiriert vom sportlichen Großereignis des Jahres, der Fußball-WM, widmete sich das genreüber¬greifende Literaturfestival dem Thema Leistung und Leidenschaft im weitesten Sinne: 14 Länder und Regionen, sechs Tage literarisch-sportliches Programm und zum Auftakt das EUNIC-Wuzzlerturnier. Dabei sein ist alles!

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1. Tag: Montag, 20. April

Anpfiff für Literatur mit Leidenschaft

  • BITTE, ZU TISCH! Literarisch-sportliche Eröffnung mit EUNIC-Wuzzlerturnier

Tooor! Der Auftakt der EUNIC Literaturtage 2026 zum Thema Leistung und Leidenschaft hätte kaum passender sein können: In der Polkadot Bar fiel der Anpfiff zu einem Abend, der Sport und Literatur auf ungewöhnlich lebendige Weise miteinander verband. Beim EUNIC-Wuzzlerturnier wurde gekurbelt, gepasst und geschossen – wie im „echten“ Stadion.

Die literarischen Lesungen zwischen den Matches übersetzten den Wettkampf in Sprache. Pointierte Texte trafen auf nachdenkliche Passagen und alle gipfelten in dem Moment, der auch das Spiel bestimmte – der kurze Augenblick zwischen Vorbereitung und Treffer.

Beim EUNIC-Wuzzlerturnier hat mit äußerst knappem Ergebnis eines der Gästeteams vor Slowenien gewonnen. Auf Platz 3 schaffte es das zweite Gästeteam.

Der erste Tag war kein leiser Einstieg, sondern ein echtes Eröffnungsspiel: intensiv, mitreißend und voller Leidenschaft – ein gelungener Anpfiff für die kommenden Literaturtage.

2. Tag: Dienstag, 21. April

Fußball will (auch) gelesen werden

Fußball lesen - Literatur verstehen: Lesung mit Gespräch

Am zweiten Tag schweifte der Blick vom Spielfeld in den Deutungsraum: Im Yunus Emre Enstitüsü wurde Fußball nicht gespielt, sondern er wurde gelesen.

Die deutsch-türkische Autorin Yasemin Kelkit eröffnete eine Perspektive, die das populäre Spiel als kulturellen Text begreift – vielschichtig, aufgeladen und voller erzählerischer Spuren. Fußball ist nicht nur ein Sport, sondern eine Bühne sozialer Dynamiken, ein Ort von Projektion, Erinnerung und Gemeinschaft. Wie ein literarischer Text lässt sich auch ein Spiel lesen: mit Blick auf Symbolik, Dramaturgie und unausgesprochene Bedeutungen.

Mit: Yasemin Kelkit (Deutschland, Türkyie) Moderation: Hüsnü Yavuz Aytekin 

3. Tag: Mittwoch, 22. April

Beziehungen, Resilienz und Resonanz

  • Die Beziehungen der Menschen als Weg der Resillienz: Lesung und Diskussion

Am dritten Tag machte eine Lesung im traditionsreichen Café Museum, das mit seinem historischen Ambiente den idealen Rahmen für literarische Reflexion bot, den Auftakt. Im Mittelpunkt standen die Beziehungen zwischen Menschen als Quelle von Resilienz. Vor dem Hintergrund sozialer und politischer Umbrüche in Griechenland, auf Zypern und dem Balkan wurde deutlich, wie sehr Literatur von Realität durchdrungen ist – und zugleich Räume schafft, um diese zu verarbeiten.

Mit: Akis Papantonis (Griechenland), Risos Harisis (Zypern) Moderation: Eri Bakali

  • Listen and share! Lesung und Konzert

Am Abend verlagerte sich das Geschehen ins Replugged – und damit vom Lesen zum Hören. Nach der Vorstellung seines Buches Listen and share ging der Autor und Musiker Berti Barbera gemeinsam mit Adalbert „Jimmy“ Cserkész zum Konzert über. Jazz, Pop und Groove verschmolzen zu einem lebendigen Abschluss des Tages – geprägt von Präzision, Spielfreude und echtem Zusammenspiel.

Mit: Berti Barbera (Rumänien), Adalbert "Jimmy" Cserkész (Rumänien)  

4. Tag: Donnerstag, 23. April

Ballett, der Tanz mit dem Feuer 

  • En pointe! Leben auf der Spitze: Lesung mit Diskussion und Film metaBALETKY

Der vierte Tag der EUNIC Literaturtage 2026 spielte sich – wortwörtlich und in übertragenem Sinne – auf der Spitze ab, dort, wo Leistung zur täglichen Realität gehört und Leidenschaft ihren Preis hat: in der Welt des Balletts. Statt bloßer Bewunderung für Disziplin, Perfektion und Anmut wurde bei dieser Veranstaltung die Ambivalenz der zarten wie harten Kunstform in den Mittelpunkt gerückt.

Zwischen fiktiven und autobiografischen literarischen Stimmen und filmischen Bildern entstand ein vielschichtiges Porträt eines Lebens als Balletttänzerin. Was nach außen hin leicht und mühelos wirkt, offenbart sich als Ergebnis harter Arbeit, strenger Selbstkontrolle und innerer Konflikte. Die erzählten Geschichten machten spürbar, wie eng Hingabe und Überforderung, Schönheit und Schmerz miteinander verwoben sind.

Mit:  Miřenka Čechová (Tschechien), Ewa Kasp (Polen, Österreich), Julia Miesenböck (Österreich) Moderation: Sandra Dudek

5. Tag: Freitag, 24. April

Vom Atem zur Arena

  • Yoga und Literatur

Der fünfte Tag dieses einmaligen, genreübergreifenden Literaturfestivals zeigte, wie weit sich Literatur ausdehnen kann – vom Atemrhythmus bis zur Stadionerzählung. Leistung und Leidenschaft sind nicht nur Themen, sondern Zustände, die sich körperlich erfahren lassen.Beim Zusammenspiel aus Yoga und Literatur verschmolzen Bewegung und Sprache zu einer ruhigen, fast meditativen Einheit. Während sich der Körper dehnte und zur Ruhe kam, öffneten poetische Lesungen neue Perspektiven auf Sport, Körper und Wahrnehmung. Worte wurden hier nicht nur gehört, sondern im eigenen Rhythmus gespürt – ein seltener Moment der Entschleunigung innerhalb eines ansonsten energiegeladenen Festivalprogramms und ein starkes Erlebnis.

Mit: Frankreich, Italien, Tschechien Moderation: Marie-Luise

  • Ein Fußballplatz, zwei Fußballlegenden: Zweisprachiges Gespräch

Später lag der Fokus der Aufmerksamkeit auf dem Fußball – diesmal als biografische Erzählung. Im Gespräch über zwei außergewöhnliche Lebenswege wurde deutlich, wie sehr der Sport Identität prägen kann. Die Geschichten erzählen von Aufstieg und Widerstand, vom Leben am gesellschaftlichen Rand und wie der Weg über den Fußball ins Zentrum führte.

Mit: Eugenio Belgrado (Italien, Österreich), Nicola Muscas (Italien); Moderation: Silvia Chiarini (Italien)

  • Rote Karte für Langeweile: Lesung und Diskussion

Parallel dazu zeigte ein weiteres Format, dass auch die kleinen, unerwarteten Perspektiven ihren Platz haben. Zwischen sportlicher Rivalität und literarischer Selbstironie entstand ein Dialog, der mit Humor und Schärfe zugleich auf die Begeisterung für Sport – und für das Faulenzen – blickte.

Mit: Marco Gregur (Kroatien), Nicola Muscas und Esad Babačić (Slowenien); Moderation: Sebastian Walcher

6. Tag: Samstag, 25. April

Großes Finale im Takt der Sprache

  • Poetry Slam meets The Crazy Rogues

Der letzte Festivaltag brachte noch einmal alles zusammen, was die Woche geprägt hat: Sprache, Energie und das Spiel mit Ausdrucksformen.

Beim Poetry Slam wurde Literatur zur Performance. Poet:innen aus verschiedenen europäischen Ländern traten mit ihren Texten in ihren jeweiligen Muttersprachen auf, während die Übersetzungen fürs Publikum projiziert wurden. Am Ende brauchte es keine Sprache im klassischen Sinn – entschieden wurde mit der Universalsprache, dem Applaus.

Anschließend öffnete sich mit dem ersten Wien-Auftritt der ungarischen Band The Crazy Rogues öffnete der Raum noch einmal in eine andere Richtung: vereinnahmend, körperlich, direkt. Folk, Punk und Rock trafen auf eine Bühnenpräsenz, die keine Distanz zuließ und das Publikum unmittelbar mitnahm.

Mit: Adrina Bertran (Katalonien), Martin Šustek (Slowakei), Katharina Wenty (Österreich), The Crazy Rogues (Ungarn); Moderation: Fanny Famos (Österreich)  

So endeten die EUNIC Literaturtage 2026 mit voller Lautstärke – als Feier der Vielfalt, der Ausdrucksformen und der Leidenschaft, die sich durch alle Programmtage gezogen hat..

Danke!

Ein großes Dankeschön an alle Beteiligten – Autor:innen, Musiker:innen, Moderator:innen, Veranstalter:innen, und ganz besonders an euch, liebes Publikum.

Nur als Team sind wir stark!

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